Insektenhotels im blühenden Münsterland
Was wäre eine blühende Streuobst- oder Blumenwiese ohne das Summen von Bienen, Hummeln und anderen Insekten? Doch was uns so selbstverständlich erscheint, ist zunehmend bedroht, denn die natürlichen Lebensräume vieler Blütenbesucher werden immer seltener. Der Mangel an geeigneten Nistplätzen und häufig auch an Nahrung für Hautflügler wie Wildbienen, Hummeln oder Schwebfliegen, wirkt sich immer negativer auf die Bestände aus. Aus diesem Grund startete die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft mit Unterstützung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes und finanziert von der Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost das Projekt "Insektenhotels im blühenden Münsterland".
Im Sommer 2009 wurden auf ca. 40 ha in der Stadt Münster und dem Kreis Warendorf eine blütenreiche Zwischenfruchtmischung ausgebracht, die nicht nur hübsch anzuschauen war, sondern auch eine wertvolle Nahrungssquelle für Insekten darstellte. Im Herbst 2010 werden weitere 300.000 m² durch eine besondere Zwischenfruchtmischung aufblühen.
Im Rahmen des zweiten Projektteils wurden so genannte Insektenhotels an Landwirte aus dem Kreis Warendorf und der Stadt Münster verteilt. Die aus massivem Buchenholz angefertigten Hotels konnten von Landwirten kostenlos bestellt werden.
Blühendes Münsterland

- Ende Juli 2009 wurde mit der Einsaat der Zwischenfruchtmischung auf ca. 400.000 m² begonnen
In Zusammenarbeit mit dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband e.V. sollen drei Jahre lang im Kreis Warendorf und der Stadt Münster insgesamt ca. 1.000.000 m² durch Landwirte mit einer blütenreichen Saatgutmischung eingesät werden. Sie soll das Nahrungsangebot für Insekten und Wildtiere im Herbst deutlich verbessern. Landwirte können so mit wenig Aufwand sowohl Blüten besuchende Insekten fördern, als auch das wichtigste „Kapital“ der Landwirtschaft, den Boden, deutlich verbessern.
Eine gezielte Auswahl von Arten, die viel Pflanzenmasse bilden, trägt zu einer deutlichen Humusbildung bei und fördert ein intensives Bodenleben. Gleichzeitig binden die Zwischenfrüchte den Reststickstoff, der nach der Ernte im Boden verbleibt. Einige der Pflanzen sind zudem in der Lage, auch den Luftstickstoff in ihrer Pflanzenmasse zu binden und ihn so nach ihrer Einarbeitung und Zersetzung für die Folgekultur nutzbar zu machen.
Die Zwischenfrüchte sind auch eine wertvolle Äsung und Deckung für Wildtiere und bieten auch im Winter Rückzugsmöglichkeiten, da sie erst im Frühjahr vor der Aussaat umgebrochen werden.
So profitiert der landwirtschaftliche Betrieb und gleichzeitig entstehen wertvolle Lebensräume für Blütenbesucher und Wildtiere. Zudem wird unsere Kulturlandschaft durch Blühflächen für Erholungssuchende attraktiver.
Optimal ist die Aussaat von blühenden Zwischenfrüchten nach der Ernte von Wintergerste, da sie als erste das Feld räumt, aber auch nach jeder anderen Getreideart kann mit rascher Ansaat noch ein zusätzliches Blütenangebot geschaffen werden. Ausgewählte und vielseitige Blühmischungen bieten Insekten wie Honigbienen, Hummeln und Schmetterlingen reichhaltig Pollen und Nektar. Und dies zu einer Zeit, zu der Insekten in unserer Landschaft oftmals kaum andere Nahrung finden.
Die Bereitschaft zur Einsaat der Saatgutmischung auf landwirtschaftlichen Flächen ist groß. Innerhalb von zwei Tagen war die für 2009 zur Verfügung stehende Menge vergriffen.
Insektenhotels

- Insektenhotels im Blühenden Münsterland, unterstützt von der Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost und dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband e.V.
Die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft hat in Zusammenarbeit mit dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband e.V. ca. 300 ca. 50 cm x 70 cm große Insektenhotels an landwirtschaftliche Betriebe in der Stadt Münster und im Kreis Warendorf verteilt.
Die unzähligen Schlupfwespen, die als Nützlinge die Bestände anderer Insekten regulieren und vor allem die Bienen als Bestäuber vieler Blütenpflanzen, profitieren erheblich von den neuen Behausungen. Zum einen sind die Insekten wichtig für den Erhalt der Artenvielfalt unter den Wildpflanzen, zum anderen spielen sie auch eine wichtige Rolle in der Bestäubung von Kulturpflanzen wie Obst oder Raps, denn unter einem Mangel an Bestäubern leiden Ertrag und Qualität. Zwar werden in der Landwirtschaft und im Gartenbau viele Bestäubungsarbeiten von Honigbienen übernommen, sie können diese Aufgabe jedoch nicht alleine erledigen und sind auf Hilfe, zum Beispiel durch ihre „wilden“ Verwandten, angewiesen.
Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere Hautflügler nisten gerne in Höhlungen. Sie selbst sind jedoch nicht in der Lage, diese zu bohren. Also hilft der Mensch hier etwas nach: Im Insektenhotel wird mit dem Bohrer vorgebohrt! In den Bohrlöchern der Hotels können so Mauerbienen, Maskenbienen, Blattschneiderbienen und andere Arten ihre Brutplätze anlegen.
Begattete Weibchen suchen im Frühjahr und Sommer nach geeigneten Nistmöglichkeiten. Meist werden Käferbohrgänge im Holz, hohle Pflanzenstängel oder Hohlräume im Erdboden für den Nestbau ausgewählt. Das Weibchen bringt in den ausgewählten Brutraum zuerst die Nahrung für den Nachwuchs, je nach Art Blütenpollen oder gelähmte Insekten (z. B. Blattläuse). Anschließend legt das Weibchen ein Ei in das Nahrungsdepot und verschließt den Brutraum. Im typischen Fall besteht ein fertiges Nest aus mehreren hintereinander liegenden Kammern. Nach außen verschließt das Weibchen die Brutröhre mit einem Deckel aus Harz, Wachs, Lehm oder zerkauten Blattstücken. Die Brutfürsorge des Weibchens ist damit beendet. Es erlebt das Schlüpfen seiner Nachkommen nicht mehr. Die neue Insektengeneration überwintert entweder als Larve oder als bereits ausgewachsenes Insekt in den Brutröhren.
Insektenhotels sind ein gutes praktisches Beispiel für erlebbaren Naturschutz aus Menschenhand.
Die Bereitschaft zur Aufstellung der Insektenhotels auf landwirtschaftlichen Betrieben ist groß, da nach dem Aufstellen des Hotels kaum noch eine Unterhaltung erforderlich ist. Der Platzaufwand ist gering und die Landwirte verstehen die Insekten als Teil ihrer Arbeit in der Landschaft und auf dem Feld. Nach Aussage von Teilnehmern ist die Überraschung groß wie schnell und in welcher Fülle die Insektenhotels angenommen wurden.
Fotos:
- Blattschneiderbiene: J. Eberhardt, Münster
- Zwischenfruchtmischung: Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, Münster
- Übrige Fotos: Sparkasse Münsterland Ost

